Milarepa, Zusammenfassung

August 21, 2009

Eric-Emmanuel Schmidt

Simon, der Erzähler der Geschichte, ist 38 Jahre alt und die Reinkarnation von Svastika. Er wohnt in Paris und frühstückt dort regelmässig in einem kleinen Café. Jede Nacht verfolgt ihn immer und immer wieder der gleiche Traum, sodass ihm klar wird, wie wichtig es für ihn sein wird, ihn zu verstehen. Aus den drei Personen (Svastika, Milarepa und Simon) wird plötzlich eine einzige.

Milarepa kann zaubern. Er nutzt die Magie um Schlechtes zu tun und begreift erst später, dass dieses Tun unrecht ist, woraufhin er sich dann zu ändern versucht. Wichtig ist für ihn auch die Eigenschaft, vergeben zu können. Er stellt in der Geschichte die Hauptperson dar, dessen Wandlung dem Leser vor Augen gebracht werden soll. Die Geschichte beginnt mit Milarepa als einem bösartigen, kurzsichtigen Menschen und endet mit ihm als einem weitsichtigen Lehrer, der seinen Schülern viel beizubringen hat.

Svastika ist der Gegenspieler von Milarepa. Er kann seinen Hass nicht überwinden und ist auch nicht zur Vergebung fähig. Sein ganzes Leben verbringt er als böser, materialistischer Mensch.

Marpa ist ein sehr strikter Lehrer. Er will, dass Milarepa zu verstehen beginnt, wobei er ihm zwar hilft, aber dennoch darauf beharrt, dass Mila seine Schlüsse schlussendlich selbst ziehen muss. Für einen gläubigen Menschen erscheint er etwas ungewohnt aggressiv und gewalttätig. Es kommt durchaus immer wieder vor, dass er seine Geduld verliert. Für seine Mitmenschen ist es nicht immer ganz einfach, ihm zu folgen. Er gibt zwar hinweise, sagt aber selten direkt, worauf er hinaus will. Er ist auch der einzige, der beim Abschied von Mila nicht weint, was viele nicht verstehen können. Aber für ihn gibt es nur etwas, das wirklich traurig ist und das wäre die Tatsache, dass es so viele Menschen gibt, die nicht wissen, dass sie wie Buddha leben könnten.

Die Frau des Marpa will Mila helfen, versteht aber gar nicht erst, was ihr Mann eigentlich von ihm verlangt. In der Geschichte wird klar, dass die Frauen in dieser Gesellschaft eine untergeordnete Rolle spielen. Die Frau des Marpa nimmt an den wichtigen Aktivitäten ihres Mannes zum Beispiel niemals Teil und es wird auch sehr schön aufgezeigt, wie sie es einfach nicht schafft, seinen Gedankengängen zu folgen.

Wie bereits vorweg erwähnt, träumt Simon regelmässig den gleichen Traum, bis ihm eines Tages eine geisterhafte Frau dabei hilft, diesen Traum zu verstehen. Sie macht ihm klar, dass er die Reinkarnation von Svastika, einem Hirten, der sein ganzes Hab und Gut verloren hat, sei. Nach diesem Verlust wird der Hirte von seinem Cousin aufgenommen. Der Sohn dieses Cousins, Milarepa, beginnt zu weinen, als er die Misere seines Onkels erkennt. Dadurch wird diesem erst klar, wie arm er nun eigentlich ist und von diesem Moment weg beginnt er dann, Mila dafür zu hassen, dass er ihm dies unweigerlich vor Augen geführt hat. Als der Cousin, Vater von Milarepa, dann eines Tages stirbt, wünscht er sich noch vor seinem Tode, dass Svastika sich nach seinem Ableben und die von ihm zurückgelassene Familie (die Kinder und Frau) kümmert. Dieser hegt aber immer grösseren Hass gegen seinen Neffen und als dieser dann zwanzig Jahre alt ist, versteht er, dass ihm sein Onkel das Erbe niemals überlassen wird und deshalb beginnt er zu trinken und verschwindet ganz plötzlich. Das Vermögen von Svastika wird immer grösser und grösser und er verheiratet dann sogar alle seine Söhne. Während der Hochzeit seines letzten Sohnes, geschieht dann aber das Unvorhergesehene. Milarepa taucht aus dem Nichts wieder auf und lässt alle Gäste und Tiere sterben, indem er Magie anwendet. Nur Svastika und seine Frau überleben, alle anderen sind des Todes. Nach diesen Ereignissen sucht Mila den Frieden und sucht den Lama, den grossen Marpa, auf. Diesem bietet er seinen Körper, sein Wort und sei n Herz und verlangt als Gegenleistung Verpflegung, Kleidung und die Lehre des Marpa. Dieser bietet ihm aber nur die Lehre an und gebietet ihm, für die restlichen Dinge betteln zu gehen.

Zu Beginn will der Marpa, dass Mila einen Hagelschauer über einige Länder schickt. Danach soll er den Schaden wieder beheben. Die nächste Aufgabe besteht dann darin, einen runden Trum zu bauen. Nachdem dies geschehen ist, soll Mila den Turm wieder zerstören. Die darauffolgende Aufgabe verlangt einen halbmondförmigen Turm, den es anschliessend wieder zu zerstören gilt, weil Marpa behauptet, er habe nie den Auftrag zum Bau dieses Turmes gegeben. Danach folgt der Bau eines dreieckigen Turmes und als Mila erneut aufgefordert wird, sein Werk zu zerstören, widerspricht er das erste Mal und fordert endlich seine Lehre. Marpa hat aber kein Mitleid und fordert nun einen weissen Turm mit neun Etagen und einem Spitzturm. Nach der Erbauung schlägt der Marpa auf Mila ein und beschimpft ihn. Er schreit ihn an und schimpft, dass man die Lehre nicht allein mit Muskelkraft erreichen kann und dass es vielmehr Einsicht verlangt. Die Frau des Marpa versucht, Mila zu helfen. Sie gibt ihm einige Dinge, die er dem Marpa als Geschenk überreichen soll, doch schon wieder wird der Marpa wütend, denn er besteht darauf, dass man nur das Recht hat, Dinge zu schenken, die man selbst erworben hat. Mila hat es inzwischen satt und möchte am liebsten weg – doch das geht nicht, weil er seinen Körper dem Marpa gegeben hat. So beschliesst er also, dass er sterben möchte, woraufhin dann die Frau des Marpa ihm aber erklärt, dass dies der grösste Fehler überhaupt wäre, weil dann nämlich das Karma zerstört würde. Letzten Endes bekommt Mila dann doch die Lehre des Marpa und Mila verbringt anschliessend elf Monate einsam in einer Grotte. Anschliessend verbringt er nochmals ein bisschen Zeit mit dem Marpa, um danach loszuziehen um seine Familie zu suchen. Er findet dann aber nur seine Mutter.

Als er einmal bei der Meditation ist, findet ihn sein Onkel Svastika, der ihn dann auch sogleich vertreibt, weil er seinen Hass einfach nicht überwinden kann. Wenig später sucht Svastikas Frau dann Mila auf, um sich bei ihm zu entschuldigen. Sie bittet um dessen Vergebung und er hilft ihr, gibt ihr sogar ein paar eigene Lektionen.

Mila wird selbst zum Lehrer, wird alt und bereit für den Tod. Vor seinem Tode gibt er aber noch die wichtigsten Dinge der ultimativen Wahrheit an seine Schüler weiter – so zum Beispiel die Tatsache, dass das Nirvana nicht existiert.


ruhm, ein roman in neun geschichten

Juni 8, 2009

Stimmen
Ebling kauft sich ein Mobiltelefon und bekommt Anrufe, die nicht für ihn sondern für den ruhmreichen Schauspieler Ralf Tanner gedacht sind. Wenn er sich richtig verhält, scheint niemand zu merken, dass er nicht Ralf ist und so nimmt er –zumindest am Telefon- dessen Identität an und beeinflusst somit auch dessen Leben.

„Diese Nacht fasste er zum ersten Mal seit langem wieder seine Frau an. Zunächst war sie nur verblüfft, dann fragte sie, was denn los sei mit ihm und ob er getrunken habe, dann gab sie nach. Lange dauerte es nicht, und während er sie noch unter sich spürte, war ihm, als täten sie etwas Ungehöriges.“

Am Telefon spricht er mit Frauen, die ihn (bzw. Ralf Tanner) begehren. Er macht ihnen weiterhin Hoffnungen, verabredet sich mit ihnen, geht aber nicht hin. Dieses Doppelleben, all die Fantasien schienen sein eigenes Leben wieder zu beflügeln, ihm neue Energie zu geben. Am Ende der Geschichte sagt sein Freund Rogler zu Ebling: „Versteh das jetzt bitte nicht falsch. Aber wer sollte dich schon anrufen?“. Damit bringt er auf den Punkt, was durch die Geschichte klar wird. Ebling ist ein Niemand, ein verheirateter Mann mit Kindern, jemand, wie jeder andere auch, ohne jeglichen Ruhm.

In Gefahr
Der Autor Leo Richter und seine Freundin Elisabeth sind mit dem Flugzeug unterwegs. Sie bittet ihn darum, sie nicht in eine Geschichte einzubringen und weiss, dass er nie verstehen wird, was sie beim Roten Kreuz tut. Er fürchtet sich schon vor einem Flug, wie würde er also reagieren, wenn er sich plötzlich im Kriegsgebiet befände?
Er ist sichtlich genervt von seinen Fans, hat es satt, immer auf die gleichen Fragen antworten zu müssen. Den einen Termin will er absagen und bittet seine Kollegin Maria Rubinstein stattdessen, an seiner Stelle daran teilzunehmen.

Rosalie geht sterben
Hier wird erstmals ganz deutlich, dass es innerhalb des Romans Realität und Fiktion gibt. Rosalie gehört zu den vom Autor Leo Richter erfundenen Figuren. Sie spricht mit ihm, fleht ihn an, sie leben zu lassen, als sie auf dem Weg in die Schweiz ist, um dort unter der Aufsicht einer Sterbehilfeorganisation zu sterben.
Am Ende kommt es tatsächlich dazu, dass er sie rettet, der alten Dame wieder die Jugend schenkt. Man hat zu Beginn gemerkt, dass sie das (Senioren)Leben satt hat. Sie mag nicht mehr mit ihren Freundinnen über die Enkelkinder sprechen. Sie betrachtet ihre Freundinnen in den bunten Kostümchen und den passenden Hütchen und Täschchen und mag nicht mehr dieses oberflächliche, fast schon lächerliche Leben führen. Ob dabei erneute Jugend eine Erlösung ist, bleibt wohl fraglich. Viel wichtiger scheint mir die Tatsache, dass Leo Richter ihr die Rettung bloss aus egoistischen Überlegungen schenkt, womit er dann wohl auch an den Autor des Romans, Daniel Kehlmann, appelliert.

„Und zugleich, ich kann es nicht leugnen, kommt mir die absurde Hoffnung, dass dereinst jemand dasselbe für mich tun wird“.

Der Ausweg
Ralf Tanner will sich selbst darstellen, was ihm aber völlig misslingt. Stattdessen tritt ein anders Double auf, dem es viel besser gelingt. Es scheint fast, als würde Ralf seine Identität verlieren.

Osten
Maria Rubinstein reist in den Osten und wird dort von ihrer Gruppe zurückgelassen und bleibt verschollen. Der Albtraum eines jeden zivilisierten Menschen wird Realität. Auch ihr Ruhm als Autorin kann ihr in dieser Situation nicht mehr weiterhelfen. Sie findet zwar in einem Geschäft eines ihrer Bücher, hat aber keine Möglichkeit, das dem Verkäufer klar zu machen. Es spielt auch gar keine Rolle.

Antwort an die Äbtissin
Miguel Auristos Blancos, Autor, der mit seinen Werken vielen Menschen hilft und ihrem Leben einen Sinn gibt, glaubt selbst nicht an das, was er schreibt.

Ein Beitrag zur Debatte
Mollwitz, ein einsamer, übergewichtiger Computerfreak der im mittleren Alter noch immer zu Hause bei seiner Mutter lebt.

Wie ich log und starb
Der Chef von Mollwitz führt ebenfalls ein Doppelleben. Er ist verheiratet, trifft sich nebenher noch mit einer anderen Frau und plötzlich scheint das ganze Kartenhaus in sich zusammenzufallen.

In Gefahr
Der Höhepunkt der Fiktion ist der Punkt, an dem Elisabeth merkt, dass sie in eine von Leo Richters Geschichten verpackt wurde, obwohl sie ihn innigst darum gebeten hat, dies zu unterlassen. In der letzten Geschichte trifft sie das, was er aus ihr gemacht hat: die Figur der Lara Gaspard. Er selbst wird plötzlich mutig und selbstlos, weiss plötzlich mehr als Elisabeth.

Fazit
Die neun Geschichten stehen alle zueinander in irgendeiner Verbindung und bilden dann gemeinsam ein Mosaik der Identitätsfrage, der Selbstdarstellung und der Suche nach Anerkennung. Die Charaktere sind auf verschiedenste Weise miteinander verbunden, einige sind Fiktion, andere Realität in der Fikiton.

Ein Werk, das mit seiner formellen Komplexität glänzt.


die stillen leiden, immensee

Mai 25, 2009

Eine Novelle von Theodor Storm

„Einen Steinwurf vom Lande konnte er eine weiße Wasserlilie erkennen. Auf einmal wandelte ihn die Lust an, sie in der Nähe zu sehen; er warf seine Kleider ab und stieg ins Wasser. Es war flach, scharfe Pflanzen und Steine schnitten ihn an den Füßen, und er kam immer nicht in die zum Schwimmen nötige Tiefe. Dann war es plötzlich unter ihm weg, die Wasser quirlten über ihm zusammen, und es dauerte eine Zeitlang, ehe er wieder auf die Oberfläche kam. Nun regte er Hand und Fuß und schwamm im Kreise umher, bis er sich bewusst geworden, von wo er hineingagangen war. Bald sah er auch die Lilie wieder; sie lag einsam zwischen den großen blanken Blättern. – Er schwamm langsam hinaus und hob mitunter die Arme aus dem Wasser, dass die herabrieselnden Tropfen im Mondlicht blitzten; aber es war, als ob die Entfernung zwischen ihm und der Blume dieselbe bliebe; nur das Ufer lag, wenn er sich umblickte, in immer ungewisserem Dufte hinter ihm. Er gab indes sein Unternehmen nicht auf, sondern schwamm rüstig in derselben Richtung fort. Endlich war er der Blume so nahe gekommen, dass er die silbernen Blätter deutlich im Mondlicht unterscheiden konnte; zugleich aber fühlte er sich wie in einem Netze verstrickt; die glatten Stengel langten vom Grunde herauf und rankten sich an seine nackten Glieder. Das unbekannte Wasser lag so schwarz um ihn her, hinter sich hörte er das Springen eines Fisches; es wurde ihm plötzlich so unheimlich in dem fremden Elemente, dass er mit Gewalt das Gestrick der Pflanzen zerriss und in atemloser Hast dem Lande zuschwamm. Als er von hier auf den See zurückblickte, lag die Lilie wie zuvor fern und einsam über der dunkeln Tiefe.“

Die weisse Wasserlilie steht wohl für Elisabeth, die nun, da sie Reinhard sie endlich wiedersieht, stets ein weisses Kleid trägt. Die Liebe ihrer Jugend scheint so fern, so vergessen – als hätte es sie nie gegeben. Elisabeth ist jetzt in den Händen eines anderen Mannes und trotzdem kommt Reinhard zurück um sie zu besuchen. Er kann der Versuchung, sie zu sehen, nicht widerstehen. Er geht ins Wasser, um die Seerose zu besuchen, um ihr nah zu sein. Der Weg ist beschwerlich und seine Füsse schmerzen von den scharfen Pflanzen und Steinen. Wie die Wasserlilie gibt sich Elisabeth unbeeindruckt. Man spürt zwar, dass sie sich über seinen Besuch freut, doch gibt sie sich distanziert und weicht jeglichen Fragen seitens Reinhards, welche ihre Jugend betreffen, schweigend aus.

„..als ob die Entfernung zwischen ihm und der Blume dieselbe bliebe..“ Reinhard besucht Elisabeth zwar ab und zu, aber er merkt, dass sich zwischen ihnen eine Distanz eingestellt hat, die nicht mehr zu überbrücken ist.

..“Als er von hier auf den See zurückblickte, lag die Lilie wie zuvor fern und einsam über der dunkeln Tiefe..“ Elisabeth fügt sich dem Willen ihrer Mutter und antwortet auf das Werben eines Mannes, für den sie nicht mehr als brüderliche Liebe verspürt. Sie kann aber mit niemandem über ihre Gefühle sprechen und ist somit allein mit sich und ihrer Trauer.

„Er blickte beim Rudern zu ihr hinüber; sie aber sah an ihm vorbei in die Ferne. So glitt sein Blick herunter und blieb auf ihrer Hand; und diese blasse Hand verriet ihm, was ihr Antlitz ihm verschwiegen hatte. Er sah auf ihr jenen feinen Zug geheimen Schmerzes, der sich so gern schöner Frauenhände bemächtigt, die nachts auf krankem Herzen liegen.“


wie aus der seele gesprochen

Mai 20, 2009

„Jeder spottet über Beamte, Bürokraten, Federfuchser und Papiertiger. Aber wir sind es doch selbst! Jeder von uns Angestellten fühlt sich als Künstler und Anarchist, als freie Seele, als geheimer Wahnsinniger, der weder Zwang kennt noch Norm. Jedem von uns war einst das Himmelreich versprochen, und keiner will begreifen, dass er schon lange zu denen gehört, von denen er nie einer hat sein wollen, dass nichts an ihm mehr Ausnahme ist und dass ihn gerade das Gefühl, anders zu sein, vollends Regel sein lässt.“

Ruhm, ein Roman von Daniel Kehlmann


WELTSCHMERZ

April 18, 2009

Ein Begriff, der in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Manche glauben ihn zu kennen, anderen fällt es schwer, sich darunter etwas vorzustellen.
Jeder weiss, was Schmerz ist. Fast schlimmer als der physische Schmerz ist der psychische, der, den man oft nicht oder viel zu spät sieht. Weltschmerz ist dann meiner Meinung nach die Gesamtheit, die Steigerung, der Höhepunkt jeglichen Leidens und dessen Abwälzung auf den Einzelnen. Immer wieder kommen im Leben mancher diese Momente, in welchen man sich für alles verantwortlich fühlt. Man sieht, wie eine Freundin leidet, weil ihr Liebster sie nicht gebührend beachtet. Man beobachtet die leidenden Tiere, die unerhörten Liebenden, die working-poors, die sich immer weiter bemühenden Familienväter, die aber niemals gewürdigt werden. Leid gibt es überall. Man muss nicht einmal danach suchen.
Während der Beobachter sich für alles verantwortlich fühlt und sich seiner Machtlosigkeit gegenübersieht, weil er einfach nicht erkennt, wie er helfen könnte; weil er sich dazu einfach nicht mächtig genug fühlt, ist er es, der am meisten leidet und fast daran zu Grunde geht.


MRS WHIPPY

Februar 11, 2009

Ein Buch, das vielleicht etwas aus der Reihe tanzt, wenn man sich mit den Büchern von Cecelia Ahern etwas vertraut gemacht hat. Die Stimmung scheint zwar magisch, wie man es sich von der Autorin gewohnt ist, hat aber einen leicht melancholischen Unterton, wie ich finde.

Die Protagonistin, 46 Jahre alt, wird von ihrem Mann verlassen, um mit einer jüngeren Frau zusammen sein zu können. Als typische Hausfrau sieht sich die Hauptfigur dadurch wie vor den Kopf gestossen und weiss erst einmal  nicht viel mit sich anzufangen. Niemals zuvor hatte sie für Geld gearbeitet! Gleich nach der Schule heiratete sie ihren Mann, mit dem sie mehrere Söhne hat, die sich nun alle gegen sie zu verschwören scheinen.
Auch wenn alles so hoffnungslos und traurig scheint, so findet sie am Ende doch ihr Happy End.

Das Buch ist, mit der Speiseeisliebe der Protagonistin, ähnlich fesselnd geschrieben wie „das Parfum“. Mit ihren Geschmacksinnen nimmt Emelda die kleinste Finesse des Aromas wahr, geniesst jedes kleine bisschen und verbindet mit den verschiedenen Aromen Erinnerungen und Gefühle.

Faszinierend, wie Cecelia Ahern es wieder einmal geschafft hat, eine völlig neue Welt, eine eigene, magische Welt der Protagonistin, eine Welt der Sinneseindrücke und Gefühle zu schaffen.


ZUFALL ODER SCHICKSAL?

September 9, 2008

an einem Tag wie diesem, Peter Stamm

„Andreas glaubte an nichts als an den Zufall. Er liebte die seltsamen Koinzidenzen und Wiederholungen des Lebens, die jede Erklärung verboten. Er liebte die überraschenden Muster, die entstanden am Himmel oder im Schattenwurf eines Baums, die dauernden kleinen Veränderungen im immer Gleichen. Nadja nannte es Nihilismus, er selbst nannte es Bescheidenheit.“

Manche Menschen glauben an den Zufall, andere glauben an Schicksal. Der Unterschied liegt wohl darin, dass sich der Zufall aufgrund der Wahrscheinlichkeit und somit mithilfe der Mathematik annähern lässt, wohingegen Schicksal vorherbestimmt ist und somit nicht zu beeinflussen, sei es mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen oder was auch immer.


THANKS FOR THE MEMORIES

August 5, 2008

Cecelia Ahern

„… when you’re in trouble you look harder for answers than those who aren’t, and it’s those answers that help you through. …“

„… usually, answers present themselves. They are not hidden under rocks or camouflaged among trees. Answers are right there, in front of our eyes. But if you haven’t cause to look, then of course you will probably never find them. …“


Minna von Barnhelm

Juli 5, 2008

oder das Soldatenglück

Lustspiel in fünf Aufzügen

G.E. Lessing

Ein schönes Stück, dass von der Ehre, Emanzipation und inniger Liebe erzählt. Das Fräulein Minna von Barnhelm findet endlich wieder zu ihrem geliebten Tellheim. Doch dieser will sie nicht mehr an sich heranlassen, da er sich selbst als unwürdig sieht, nachdem sein Arm durch einen Schuss gelähmt wurde und sein Reichtum sich in Luft aufgelöst hat. Mit allen Mitteln versucht er, seiner Geliebten auszuweichen. und spricht immer nur davon, wie elend er doch sei und dass er schlicht und einfach nicht mehr jener Tellheim sei, in den sie sich damals verliebt habe.

„Man spricht selten von der Tugend, die man hat; aber desto öfterer von der, die uns fehlt.“

Vielleicht will er sich selbst damit strafen oder verhindern, dass er auch sie mit seinem eigenen Elend runterziehen könnte.

Immer wieder versucht sie, herauszufinden, ob er sie denn noch liebe. Es scheint nicht der Rede wert, zu erwähnen, dass er diese Frage unbeantwortet stehen lassen will. Doch Minna weiss, was sie will und fragt zielstrebig nach, bis sie hört, was sie wissen will.

„Ah! der hat Sie nie geliebt, mein Fräulein, der eine andere nach Ihnen lieben kann.“

Obwohl er sie noch liebt, wie er sie damals geliebt hat, kann er nicht über seinen Schatten springen. Sein Ehrgefühl stellt sich ihm in den Weg.

Erst, als sie ihm durch ihr geschicktes Handeln und ihre freche, fröhliche Art vorgaukeln kann, dass sie sich in einer ähnlich misslichen Lage befindet, beginnt er, sich wieder zu öffnen und um sie zu kämpfen.

„Gleichheit ist immer das festeste Band der Liebe.“

Er will ihr helfen, will ihr Retter sein. Vielleicht ergreift auch einfach der männliche Beschützerinstinkt die Überhand.

Alles in Allem eine sehr schöne Liebesgeschichte mit der emanzipierten, sympathisch-fröhlichen Minna im Zentrum als aktive Figur, die Dinge zu verändern weiss und sich für ihre Träume und Wünsche einsetzt. Minna, die emanzipierte Frauenfigur der Literatur.


Das Kommunistische Manifest

Juni 26, 2008

Karl Marx und Friedrich Engels

Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!

Schöne Worte, die das kommunistische Manifest abschliessen. Schade eigentlich, dass man heute weiss, dass Kommunismus, wie wir das auffassen, nicht funktionieren kann.