Wir leben in einer Zeit, die von Forschung und Technik bestimmt wird. Es gibt kaum einen Tag, an dem wir nicht von den Fortschritten und neuen Erkenntnissen hören, die die Menschheit bereits wieder gemacht bzw. gewonnen hat. Doch die nicht aufzuhaltende Entwicklung bringt auch ein immer grösseres Wissen darüber mit sich, was um uns herum mit unserer Natur und der Umwelt im Allgemeinen geschieht. Mit diesem Aspekt möchte ich mich im Folgenden näher auseinandersetzen. Wie kann es sein, dass wir nach immer mehr Komfort streben, während wir damit gleichzeitig unsere Umwelt irreversibel beschädigen und somit unseren eigenen Lebensraum zerstören?
Mir liegt es am Herzen, dass die Menschheit endlich zu verstehen beginnt, dass wir in der Vergangenheit viele Fehler begangen haben. Diese Fehler können wir nun aber nicht einfach ignorieren – vielmehr müssen wir nach Lösungsansätzen suchen und diese mit aller Kraft durchsetzen. Vor zwanzig Jahren haben Forscher bereits gesagt, dass Autofahren und die ganze Industrialisierung die Umwelt belasten. Damals wollte das aber niemand so richtig wahrhaben und man suchte schlichtweg nach Alternativaussagen. Umweltschützer wurden verspottet und als Aussenseiter abgestempelt. Heute sind wir soweit, dass viele Menschen den Ernst der Lage erkennen. Das heisst aber bei Weitem nicht, dass sie auch etwas dagegen unternehmen würden. Immer wieder höre ich die Argumente:
- Was soll denn die kleine Schweiz schon ausrichten können?
- Was kann ich als Individuum schon ausrichten, wenn die anderen so weitermachen, wie bisher?
- Warum sollte ich auf meinen Luxus verzichten, den ich mir erarbeitet habe?
Zugegeben, die kleine Schweiz – würde sie etwas ändern – wäre ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber es ist ein Symbol, ein Zeichen des Vertrauens, ein Vorbild für alle andern, die diesem Beispiel folgen können und werden. Man soll meiner Meinung nach nicht immer fragen, wieso man selbst den ersten Schritt machen sollte, sondern einfach als gutes Beispiel vorangehen. Wenn man sich getraut, vorzugehen, werden ganz sicher andere folgen. Aber es braucht eben einfach Überwindung, diesen ersten Schritt zu tun. Auch wenn man dabei scheitern sollte, hat man es zumindest versucht und nicht schon von Anfang an aufgegeben.
Schon beim Wettrüsten im Kalten Krieg standen wir einer ganz ähnlichen Situation gegenüber. Zwei Nationen treffen aufeinander und misstrauen sich gegenseitig. Sie beginnen, immer mehr aufzurüsten und Waffen im grossen Stil zu produzieren. Sie investieren das ganze Staatsvermögen ins Militär, während die arme Bevölkerung wieder einmal die Konsequenzen zu tragen hat. Gegenseitig stacheln sich die Nationen immer mehr an, da jede fürchtet, sie könnte von der anderen überrollt werden. Würde aber eine der beiden Nationen einfach nicht mehr mitziehen, der anderen Nation somit ein gewisses Vertrauen symbolisieren, nähme der ganze Schrecken ziemlich sicher schon bald ein Ende. Die Frage, wer angefangen hat, ist völlig bedeutungslos. Jede der beiden Nationen hat die Möglichkeit, sofort auszusteigen und somit der anderen die Motivation zum Weitermachen zu nehmen.
Aus menschlicher Sicht, betrachtet man es einmal ganz egoistisch, haben wir, die heutigen Generationen, die Welt von unseren Eltern, Grosseltern und all unseren Vorfahren vererbt bekommen. Das heisst aber nicht, dass wir damit tun und lassen können, wie es uns gerade beliebt. Vielmehr sind wir mit der moralischen Pflicht beladen, sie so an unsere Nachkommen weiterzureichen, wie wir sie einst selbst erhalten haben. Peter Singer, ein bedeutender (australischer) Philosoph der heutigen Zeit, hat in einem seiner Bücher (Praktische Ethik) den Wert der Natur in einen, wie ich finde, schönen Vergleich gestellt: Wir investieren viel Geld in die Erhaltung von historischen Gebäuden, Gemälden und anderen Dingen, die wir als wichtig empfinden und gerne an unsere Nachfahren weiterreichen würden. Wieso geben wir uns bei der Erhaltung der Natur nicht genausoviel Mühe? Heute, da wir immer mehr unberührte Natur um uns herum haben, gewinnt der Naturbegriff immer mehr an Bedeutung. Empfinden wir nicht den kühlen Wald oder die Berge als Ruhestätte, als Platz der Erholung? Schon Goethe und die ganzen Stürmer und Dränger wussten die Schönheit der Natur zu schätzen. Dies wäre doch eigentlich Argument genug, um auch etwas für deren Erhalt zu tun.
Es läge in der Macht eines Jeden, einen kleinen Teil zum Erhalt unseres Lebensraumes beizutragen. Es müsste nicht einmal eine grosse Heldentat sein. Wenn jeder zumindest etwas beitragen würde, wäre das schon einmal ein Anfang, ein Fundament, auf das man bauen kann. Wenn man irgendwelchen umweltschützenden oder wohltätigen Organisationen misstraut und deshalb nicht spenden will, ist das eine persönliche Entscheidung. Aber warum man dann nicht auf Sparlampen umsteigen kann, den Stand-by Modus reduzieren, beim Verlassen des Raumes das Licht löschen oder die Wohnungstemperatur um 1°C reduzieren kann, um somit auf eine andere Art der Natur etwas Gutes zu tun, bleibt mir nach wie vor ein Rätsel. Es liegt in unseren Händen, etwas zu verändern. Aber unsere Bequemlichkeit, die Sucht nach Luxus und Komfort, die in unserer Gesellschaft vorherrscht, hindert uns daran. Wir können uns nicht aufraffen, nicht über unseren Schatten springen und ein kleines bisschen unserer Bequemlichkeit zurücklassen. Das Traurige daran ist, dass uns der Prunk, das Leben in Saus und Braus nichts weiter als Gier, Ernüchterung und ein unbefriedigtes Leben bringen, da die Bescheidenheit und die Fähigkeit, sich an kleinen Dingen erfreuen zu können, verloren gehen.
Für mich besitzt die Natur einen Schönheitswert, etwas, das mich daran erinnert, woher ich komme. Ich wurde nicht von der Technik erbaut oder zusammengestellt; ich wurde von der Natur erschaffen. Zudem finde ich, dass auch unsere Kinder und Kindeskinder das Recht haben sollten, in den Genuss dieser Naturerfahrungen zu kommen. Mit meinen Kindern möchte ich im Wald spazieren gehen können, wie es meine Eltern mit mir zu tun pflegten. Ich möchte ihnen zeigen können, in welcher Vielfalt und Schönheit die Flora in den verschiedenen Jahreszeiten erstrahlt. Aus diesen Gründen setzte ich mich für einen nachhaltigeren Lebensstandard ein und versuche, was in meiner Macht steht, um etwas zum Erhalt der Natur beizutragen. Es ist mir völlig klar, dass dies ein ernüchterndes Unterfangen ist, da ich zum Beispiel hilflos dabei zusehen muss, wie Regenwälder abgeholzt werden, ohne wirklich etwas dagegen unternehmen zu können. Aber ich glaube fest dran oder hoffe zumindest, dass der Tag noch kommen wird, an dem ich mehr beitragen kann oder zumindest andere meinem Beispiel folgen werden. Es liegt in unseren Händen.




Januar 26, 2009 um 3:47 |
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Und nur als kleine Info
„Schon beim Wettrüsten im Kalten Krieg standen wir einer ganz ähnlichen Situation gegenüber. Zwei Nationen treffen aufeinander und misstrauen sich gegenseitig.Sie beginnen, immer mehr aufzurüsten und Waffen im grossen Stil zu produzieren. Sie investieren das ganze Staatsvermögen ins Militär, während die arme Bevölkerung wieder einmal die Konsequenzen zu tragen hat.“
Beim kalten Krieg standen sich nicht zwei Nationen, sondern höchstes zwei Weltanschauungen gegenüber (und auch das ist sehr sehr einseitig betrachtet). Du solltest dir dabei bewusst machen, wer die Akteure im Kalten Krieg waren. Zumindest was die demokratischen Gesellschaften angeht, entschieden sich Millionen Menschen regelmäßig für eine Politik des Aufrüstens. Die Angst, die dazu
Januar 26, 2009 um 3:52 |
… geführt hat, ist heute nicht ohne weiteres nachzuvollziehen, aber ja, sie existierte nicht nur auf höchster politischer Ebene, sondern erfasste breite Bevölkerungsschichten. Deine Lösung (einfach vertrauen) ist genauso irrational wie der defensive Imperativ (einfach aufrüsten). Es hätte sehr viel schief gehen können und wäre in Kuba fast schief gegangen, aber die Situation hat das notwendige Vertrauen geschaffen und eine erste Entspannungsphase ermöglicht. Nunja… das nur als eine Randbemerkung. Will jetzt nicht alles Geschriebene kritisieren. Halte deinen Idealismus aufrecht, aber fang auch an, was du sagst und schreibst zu hinterfragen. An vielen Stellen befinden sich noch Unstimmigkeiten, wie die von mir genannte, die du auflösen musst.
Grüße
Katha
Februar 2, 2009 um 3:12 |
Vielen Dank für die Kritik. Dass der Artikel -so wie alle anderen- nicht perfekt ist, war mir klar. Aber gerne werde ich mir bewusst zu machen versuchen, wo die Schwachstellen liegen.
Januar 30, 2009 um 10:53 |
Selbst die Meinung, dass eine Ansicht idealistisch ist, ist und bleibt eine Meinung, ähnlich die der genannten Weltanschauung.
Solch Äußerung im Grunde nichts entgegenzusetzen, so sollte man stets auch hinterfragen, was gemeint ist, und nicht nur was geschrieben ist.
Hach ja – dies paar Worte von jemanden der mehr, als nur die zwei Seiten einer Medaille kennt. Welch trostlose Welt – doch welche?