Dom Juan

Molière

 

Dom Juan glaubt nur an sich selbst. Er macht sich über Gott lustig, tötet einen Mann im Duell und steht weder zu seinem Wort noch zu seinen Schulden. Seinen Vater nimmt er nicht ernst, ehrt weder die Familie noch die Frauen. Die Ehe hat für ihn nichts Ehrenvolles oder Ehrbares an sich. Er hat nicht einmal den Mut, seiner Elvire den Grund zu nennen, warum er sich von ihr trennen will.

In Anwesenheit seines Meisters gibt sich Sganarelle unterwürfig. Ist dieser aber einmal nicht zugegen, gibt er sich angeberisch und überheblich. Für ihn spielt Geld eine wichtige Rolle. Als am Ende sein Meister stirbt, bereut er nicht etwa in erster Linie dessen Dahinscheiden, sondern vielmehr die Tatsache, dass somit wohl auch seine Gage verloren geht.

Elvire erscheint als ehrliche und aufrichtige Figur. Es fällt schwer, sich auszumalen, was sie dazu bewogen haben mag, sich mit Dom Juan einzulassen. Als er sie verlassen will, ist sie ausser sich, als er nicht einmal den Grund für seine Entscheidung offenlegen kann. Aber nach kurzer Zeit fasst sie sich bereits wieder und ist zur Stelle, um ihm mit gutem Rat zur Seite zu stehen. Obwohl sie verletzt ist, steht sie über den Dingen und möchte ihm helfen, was sie zu einer starken und sogleich hilfsbereiten Frau macht.

Dom Carlos und Dom Alonse, die Brüder von Elvire, möchten sich für ihre Schwester an Dom Juan rächen. Die Ehre ihrer Schwester liegt ihnen sehr am Herzen und so können sie es nicht einfach so hinnehmen, wenn jemand wie Dom Juan eine Frau so unehrenvoll sitzen lässt. Als dann aber Dom Juan das Leben eines der beiden Brüder rettet, warten sie mit der Rache noch etwas zu, um seine Tat doch zu würdigen.

Dom Louis, der Vater von Dom Juan, ist ein gläubiger Mann und sähe es gerne, wenn sein Sohn es ihm gleich täte. Er führt ein der Gesellschaft angepasstes Leben und wünscht sich, dass sein Sohn sich ebenfalls etwas zügeln würde.

 

Interpretation und Fazit

Der Tabak, den Sganarelle als grossen Genuss beschreibt, erinnert an die identische Leidenschaft, die Dom Juan für die Frauen empfindet. Sganarelle sagt, er könne nicht sein ohne Tabak und ohne diesen wäre er einfach nicht komplett und das gleiche gilt wohl auch für Dom Juan und seine Frauen. Wenn er Lust dazu hat, sucht er sich eine neue Frau und lässt die bisherige sitzen, sobald er genug von ihr hat.

Der Arme betet jeden Tag zu Gott, dass er ihm doch helfen möge, doch offensichtlich erhört Gott keines seiner Gebete – denn noch immer prägt die Armut sein Leben. Dom Juan will dem Armen zeigen, dass er besser sei als Gott und gibt ihm Gold um zu demonstrieren, dass er darauf eingeht, wenn man ihn um etwas bittet.

Die Sprache verändert sich je nach dem, wer gerade spricht. Die Bauern sprechen sehr gebräuchlich, wie es eben gerade kommen mag, während die wohlhabenderen Personen eine vornehmere Sprache an den Tag legen. Das macht das Stück glaubwürdiger und lebendiger, zeigt aber auch ganz klar den Unterschied zwischen den Klassen auf.

Der Ortswechsel, der sich durchs ganze Stück zieht, zeigt sehr schön, wie Dom Juan immer weiter flüchten muss. Er kann bei keiner Frau bleiben, weil er fürchtet, entdeckt zu werden. Auch sein Leben steht unter einem dauerhaften Wandel. Die ganze Situation verschlimmert sich immer mehr – bis hin zu seinem Tode.

Das Motiv der Freiheit ist ebenfalls sehr zentral. Dom Juan nimmt sich alle Freiheiten und bricht jegliche Regeln. Er hört nicht auf die wohlgemeinten Ratschläge seiner Freunde und Familie. Es mag zwar schön und gut sein, seine Freiheiten zu geniessen, aber wie das Stück zeigt, ist es nicht besonders empfehlenswert. Es zeigt uns schön auf, dass unsere Freiheiten begrenzt sind. Trotz all den Möglichkeiten, die sich uns anerbieten würden, zu rebellieren, muss sich jeder an gewisse Regeln halten. Weil Dom Juan zu weit gegangen ist, muss er bestraft werden. Würde das Stück nicht so enden, ginge die Katharsis verloren.

Eine Antwort schreiben