Candide führt ein angenehmes, erfülltes Leben auf dem Schlosse des Barons. Als er sich dann in dessen Tochter verliebt und dabei erwischt wird, wie sich die beiden küssen, wird er kurzerhand vom Schloss geworfen. Man will ihn dort nicht länger haben, da er nicht nobel bzw. adelig genug ist, um des Barons Tochter zu ehelichen. Da der arme Candide aber nichts weiter weiss, als das, was ihm sein Meister Pangloss beigebracht hat, fällt es ihm nicht ganz leicht, sich selbstständig durch die Welt zu schlagen. Pangloss pflegte immer zu sagen, dass in der besten aller Welten alles immer nur zum Besten sei, womit er ganz klar Anhänger des Optimismuses ist.
Auf seiner abenteuerlichen Reise durch die Welt muss Candide aber seine eigenen Erfahrungen machen, kommt immer wieder in Kontakt mit dem Bösen, mit dem Elend, dem Leid, das überall zugegen ist und erkennt dann am Schluss doch noch, dass sein Lehrer Pangloss nicht ganz im Recht ist, obwohl Candide das bis anhin geglaubt hat.
Auf seiner Reise kommt Candide irgendwann nach Eldorado. Für mich stellt diese Stelle den Wendepunkt der Geschichte dar. Er und sein Freund Cacambo sind also an diesem Ort, der für sie wie der Garten Eden bzw. das Paradies scheint. Beide wundern sich, dass die Kinder sich nicht für das herumliegende Gold und die Edelsteine interessieren. Sie denken sich, dass die Kleinen unglaublich wohlerzogen sein müssen. Obwohl dieser Ort sowas wie das Paradies darstellt, werden beide mit offenen Armen empfangen. Sie brauchen nicht einmal für das Essen im Gasthaus zu bezahlen, weil diese alle vom Staat finanziert sind. Aber auch wenn sie an diesem Ort in Reichtum leben, sich des Goldes bedienen können und ein angenehmes Leben führen, muss Candide bald einmal einsehen, dass er nicht dort bleiben will. Vielmehr will er wieder zurück und sich weiter auf die Suche nach seiner Geliebten Cunégonde (Tochter des Barons) machen. Dazu kommt natürlich auch, dass die Edelsteine aus Eldorado nur in der Aussenwelt von irgendwelchem Wert sind.
Ganz am Ende kommt es zu folgendem Dialog:
«Alle Ereignisse sind miteinander verknüpft in der besten aller möglichen Welten; denn wärt Ihr schließlich nicht aus einem schönen Schloß mit derben Fußtritten in den Hintern davongejagt worden, der Liebe zu Fräulein Kunigunde wegen, wärt Ihr nicht der Inquisition in die Hände gefallen, hättet Ihr nicht Amerika zu Fuß durchquert und nicht dem Baron einen Degenstoß versetzt, hättet Ihr nicht alle Eure Hammel aus dem guten Land Eldorado verloren, dann würdet Ihr hier keine eingemachten Cedren und Pistazien essen.»
«Das ist wohl gesprochen», antwortete Candide, «aber wir müssen unseren Garten bestellen.»
Pangloss möchte wieder über den Optimismus philosophieren, während sich Candide nicht mehr davon beeindruckt zeigt. Er deutet vielmehr an, dass er seine Bestimmung gefunden hat. Er hat eingesehen, dass man in der Arbeit sein Glück finden kann und nicht zu philosophieren braucht. Arbeit bringt nämlich Früchte, die Philosophie hingegen bleibt oft erfolglos.



