Eigentlich bin ich noch nie gern zur Schule gegangen. Ich mache es eben, weil es sich so gehört, weil es alle andern auch so machen, vielleicht auch, weil ich nicht weiss, was ich sonst tun soll. Deshalb war ich wohl auch nie ein überaus guter Schüler. Ich wollte es auch gar nie sein – wozu auch? Seit Kurzem gibt es aber einen Grund, gerne zur Schule zu gehen. Wenn ich nämlich Glück habe, dann treffe ich dich irgendwo auf dem Weg ins Schulzimmer auf dem Flur. Dieser kurze Blick, ein schwach angedeutetes Lächeln und diese Sekunde des Glücksgefühls, das ist es, warum ich jeden Morgen aufstehe. Das ist es, was meinem Trostlosen Leben einen Sinn gibt. Ich weiss deinen Namen, ja, ich weiss sogar wo du wohnst. Wann immer ich kann, beobachte ich dich. Ich versuche dir nah zu sein, obwohl ich es nicht bin, versuche immer mehr über dich herauszufinden, obwohl du mich nicht einmal kennst. Kenne ich dich denn? Kann man jemanden kennen, wenn man noch nie mit ihm gesprochen hat?
Du bist so unnahbar und trotzdem immer da. Du bist da, wo ich bin, bist immer um mich herum und doch so fern. Wie soll ich dich erreichen? Meine Freunde haben gesagt, dass du einen Freund hast, doch wo ist er? Ist er für dich da? Beobachtet er dich auch so liebevoll wie ich dich? Kann er dir geben, was ich dir zu geben bereit bin?
Schon wieder eine schlechte Note in Mathe… Was für ein doofer Tag! Der Himmel weint, meine Freunde sprechen wieder einmal nur darüber, welche Eroberungen sie am Wochenende gemacht haben. Ich sitze einfach da und schweige. Mit aufgestütztem Kopf schaue ich aus dem Fenster, betrachte die Regentropfen, wie sie langsam und gleichmässig vom Himmel fallen. An der Tafel steht irgendein Lehrer, redet über belanglosen Kram, den ich schon gar nicht mehr höre. Es klingelt, doch ich höre es nicht. Ich realisiere es erst, als die anderen aus dem Raum stürmen. Langsam und ohne jegliche Hast packe ich meine Sachen zusammen, merke, dass ich mir schon wieder keine Notizen gemacht habe, obwohl ich es mir doch vorgenommen hatte. Den Rucksack hänge ich mir über die linke Schulter und schlendere zur Tür. Im Gang tummeln sich die Schüler, alle wollen sich ins neue Schulzimmer begeben. Ich warte geduldig, bis ich mich dann doch in die Menge dränge. Von allen Seiten drängen sich andere Schüler an mich, Schüler aus den Parallelklassen, viele verschiedene Gesichter strömen an mir vorbei, ohne dass ich danach sagen könnte, wer es gewesen ist. Doch da, inmitten der Menge erblicke ich eine kleine Lücke. Dort, dort stehst du, deine Schönheit strahlt mir geradezu entgegen. Die Zeit scheint stehen zu bleiben, wie in Zeitlupe bewege ich mich gemächlich weiter, immer näher zu dir, kann den Blick nicht von dir lassen. Du beachtest mich nicht, schaust geradeaus, in Gedanken bist du wohl schon in der nächsten Lektion. Ich starre dich an, bewundere dich, möchte dich am liebsten in meine Arme nehmen. Nun sind wir auf gleicher Höhe. Graziös wirfst du dein langes Haar zurück, schwebst weiter. Ganz langsam drehst du den Kopf zu mir um, deutest ein schwaches Lächeln an, dann wendest du dich wieder ab. Mir wird ganz warm, ich fühle mich, als wenn ich schweben würde. Da ist es wieder, dieses Gefühl von Glück, dass mich alles um mich herum vergessen lässt. Da sind sie wieder, meine Gefühle für dich.




August 10, 2007 um 11:41 |
„Wenn sie vorbeigeht,dann scheint es wie ein Feuerwerk. Vor einem Himmel ist es sie,
die ich bemerk. Ihre Königlichkeit ist nur ein König wert.Und ich bin wenig königlich.“
Fällt mir dazu spontan ein:) Wirklich gelungener Text!
August 27, 2007 um 7:19 |
paar Punkte: Samuel hört anscheinend gerne Xavier Naidoo. aber ist auch wirklich ein gutes Lied.
Ja der Text geht mir sehr nahe, denn ich habe Tag für Tag die gleiche Situation, nur bei mir hats ein kleiner Unterschied. Ich ging aufs ganze und hab wohl sie zu fest konfrontiert und keinen Platz, keine Zeit und keine durchdachte Meinung gelassen. Das heisst ich muss jeden Tag das Gefühl in meinem Magen ertragen wenn sie vorbei geht, wenn ich die Schmetterlinge im Bauch förmlich vorbeiflattern sehe, wenn die Sonne scheint in ihrem Gesicht scheint auch wenn es draussen stürmt, wenn sie vorbei geht, ja dann denke ich ans Paradies, doch sie will mich nicht also holt mir Tag für Tag dieser Gedanke ein, der mir die Konzentration raubt und ein flaues Gefühl im Magen hinterlässt. Sind wohl doch Flugzeuge und keine Schmetterlinge…
noch ne andere Frage: bist du homosexuell? dein Name ist in weiblicher Form und hier steht „du hast Freund, doch…“ …
Ich wohne in Zürich, in der Stadt und auf dem Land in Feldmeilen, da sich meine Eltern vor gut vier Jahren trennten.
Ja auch sie hat einen Freund… doch den seh ich nie mehr, da er weiss dass ich was von ihr wollte… hat sich nicht daran erfreut…
Das Leben geht weiter, morgen ist ein neuer Tag, Ich wünsche dir viel Erfolg und vorallem kräftigen Mut ihn/sie anzusprechen…
Jetzt ist mir noch eingefallen dass er Bisexuell sein könnte und du somit m…. lustiges paradoxon
August 27, 2007 um 10:13 |
Vielen Dank für deine fleissigen Kommentare, Dave! Mir scheint, als hättest du die Einleitung (about Philopanterin) nicht besonders sorgfältig gelesen, oder dich tatsächlich nur auf den englischen Teil konzentriert!
Im deutschen Teil heisst es nämlich: „Bitte unterscheidet aber zwischen dem autorischen und dem lyrischen Ich, welche in meinen Texten nicht identisch sind!“ Konkret heisst das erstens, um deine Frage zu beantworten, nein, ich bin NICHT homosexuell! Ich bin zwar weiblich (und zur Zeit in einer festen Beziehung (mit einem Mann!!)), schreibe aber trotzdem nicht nur in der weiblichen, sondern auch in der männlichen Form, weil nicht alle Texte von mir handeln. Die Texte, die wirklich direkt aus meinem Leben gegriffen sind, findest du in der Kategorie „life of philopanterin“. Besonders in der Kategorie „Geschichten“ sind Texte zu finden, die zwar teilweise auf Erfahrungen von mir basieren, aber nicht direkt von mir handeln. Deshalb nochmals: Bitte unterscheide zwischen dem lyrischen (der Protagonistin, des Protagonisten) und dem autorischen Ich (der Autorin)!
Mach dir keine Sorgen wegen der Kommentare, ich freue mich jeweils sehr darüber! Vielen Dank!
August 27, 2007 um 10:30 |
Ach ist nur so eine doofe Angewohnheit, rede ja selber Englisch. Da ich die deutsche Sprache als hässlich betrachte les ich immer das englische und die Übersetzung lass ich auch aus Hochmut stehen.
Klar, die Struktur auf der Seite ist zwar seeehr seeehr schwierig zu verstehen aber mit ein bisschen Einübungsarbeit bin auch ich dabei
.
Freue mich über die glückliche Nachricht. Gönn dir’s natürlich vollends
neeein bin net neidisch!
Dieser Text hier hat wortwörtlich mein Herz zerrissen. Kann’s kaum erwarten die ganze Seite „aufzulesen“…
jep ich unterscheid jetzt vom Protablabla und dem anderen
Tut mir leid, ich weiss was du meinst aber mit Fremdwörtern wirft grenzt sich aus… nich böse gemeint.
Voller Hochachtung
-dav3