Als ich im wieder einmal im Zug unterwegs war, wählte ich unglücklicher Weise einen Sitzplatz, der direkt neben einem streitenden Paar lag. Das stellte ich aber natürlich erst fest, als ich mich schon gemütlich installiert hatte. Wie sich herausstellte, hatten die beiden ernsthafte Beziehungsprobleme. Irgendwann im Laufe des Streits sagte Er dann zu Ihr:
„Ich wusste schon lange, dass diese Beziehung vorbei ist.“
Diese Worte schmerzten mich förmlich, als ich sie mir durch den Kopf gehen liess. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man jemandem, den man mal geliebt hat (und das hat Er ja wohl, wenn er mit Ihr eine Beziehung eingegangen ist), sowas antun kann! Wie sich dann herausgestellt hat, hat Er Ihr dann offenbar fast ein halbes Jahr lang vorgespielt, dass alles in Ordnung sei. Selbst wenn er irgendwo noch die Hoffnung gehegt haben sollte, dass die Beziehung wieder besser werden könnte, rechtfertigt das in keinster Weise sein Verhalten. Ich bin der romantischen Überzeugung, dass man mit seinem Partner – sofern es wahre Liebe sei – über alles reden kann. Und wenn man sich gegenseitig Bedenken und Probleme anvertraut, hat man die Möglichkeit, gemeinsam eine Lösung zu suchen und auch zu finden. Stillschweigend abzuwarten, was geschehen mag, ist kein konstruktiver Weg zur Problemlösung. Im Gegenteil – man offenbart damit dem Partner einen offensichtlichen Disrespekt, den er mit Sicherheit nicht verdient hat. In solchen Situationen sollte man sich am besten darauf besinnen, wieso man sich einst in den Partner verliebt hat. Falls man trotzdem feststellen sollte, dass die Liebe nicht mehr zu retten ist, sollte man so fair sein und dies dem Gegenüber mitteilen.
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